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Mit Brahms und Beethoven nach Frankreich

Von schönen Erinnerungen an vier erfolgreiche Konzerte mit Beethovens „Fünfter“ und Brahms' Doppelkonzert in der Schweiz bereichert, reiste das Jugendorchester il mosaico an einem regnerischen Mittwochmorgen ab in Richtung der Region Rhône-Alpes im Osten Frankreichs.
Valence empfing uns mit wunderschönem Wetter und im stilvollen Café Victor Hugo wurde uns das erste französische Menu serviert. Vor erstaunlich vielen Zuhörern spielten wir anschliessend das erste von drei Konzerten im grossen Saal des Konservatoriums der Stadt.

Lyon und erste Probe mit Partnerchor
Nach einer erholsamen Nacht in unserem romantischen Château konnten wir während einem Tag Lyon erkunden. Lange Durchgänge zwischen den zusammengebauten Häusern, sogenannte „Traboules“, sind typisch für die drittgrösste Stadt Frankreichs. Auffallend ist die weitläufige Altstadt und die zweistöckige Basilika „Notre-Dame de Fourvière“ auf einem Hügel mit wunderbarer Aussicht. Dass gleich zwei Flüsse durch Lyon fliessen - die Rhône und die Saône - trägt ebenfalls zur Besonderheit dieser Stadt bei. Musikalisch wurden wir an diesem Tag durch die erste Probe mit dem „Ensemble Vocal de Romans“ bereichert. Bei den zwei folgenden Konzerten spielten wir nämlich zusammen mit Ensemble Vocal de Romans unter der Leitung von Alexandre Siranossian von Parsegh Ganatchian „Nanor“, welches eine Pilgerreise zum heiligen Berg der Armenier klangvoll beschreibt.

Mittelalterlichea Staint-Antoine l'Abbaye
Sehr speziell war der Besuch des „Palais Idéal“. Ein Briefträger, „Facteur Cheval“ genannt, baute während über 30 Jahren ein Kunstwerk aus Steinen, Muscheln und Schneckenhäusern, welche er allesamt in der Gegend sammelte. Entstanden ist ein orientalisch angehauchtes, weltoffenes, verspieltes und mit philosophischen Gedanken versehenes Gebilde, welches Ferdinand Cheval als eigene Grabstätte nutzen wollte. Dies wurde ihm nicht bewilligt und so erstellte er ein kleineres Werk auf dem Friedhof.
Wie 700 Jahre zurückversetzt, fühlten wir uns im Dorf Saint-Antoine l'Abbaye, welches für seine gotische Abteikirche bekannt ist. Der Orden der Antoniter genoss einen guten Ruf in der Krankenheilung und galt als spezialisiert in der Amputation von Körperteilen. Trotz sehr kühlen Temperaturen war das sehr gut besuchte Konzert in der grossen, würdevollen Kirche sehr eindrücklich.

Begeistertes Publikum
Am kommenden Morgen nahmen wir uns das Motto unseres Châteaus „Leben wie Gott in Frankreich“ zu Herzen und genossen sowohl den Pool als auch die verschiedenen Sportmöglichkeiten wie Tennis, Minigolf, Velo, Tischtennis und Basketball. Unser letzter Zielort war die Stadt Romans-sur-Isère, wo wir im Museum der „Schuhstadt“ mehr über Schuhe und deren Geschichte erfuhren. Die Interessierten besuchten zudem ein Museum über die Deportationen und den Widerstand dieser Region zur Zeit der Hitler-Herrschaft. Anschliessend an einen individuellen Stadtbummel spielten wir unser letztes Konzert, was auch bedeutete, dass Brahms, Beethoven und Ganatchians eindrückliches „Nanor“, nach einem halben Jahr intensiver Beschäftigung (vorläufig) zum letzten Mal gespielt wurde. Unsere beiden Solisten - Jonas Moosmann, Violine und Astrig Siranossian, Violoncello - wussten ein weiteres Mal zu begeistern und auch die Zusammenarbeit mit dem einheimischen „Ensemble Vocal de Romans“ klappte wieder wunderbar. Der Stadtsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, das Publikum reagiert enthusiastisch auf das mehr als zweistündige Konzert. Viel zu bald mussten wir aber in den Car Richtung Schweiz einsteigen. Die Reise ist nun vorbei, aber die schönen Erinnerungen bleiben erhalten.

Salome Heim