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„il mosaico“ in Ungarn

Am Freitagabend, 20. Mai um punkt 21 Uhr 54 startete der Motor unseres Reisecars und wir machten uns auf zu unserem diesjährigen Auslands- Abenteuer, das Ziel war Ungarn. Um 10 Uhr 25 hatten wir am nächsten Morgen die Stadt Nagykanizsa erreicht. In der dortigen Musikschule wurden wir von den Gastfamilien zum Mittagessen abgeholt. Hier machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit der tollen Gastfreundschaft und den damit verbundenen riesigen Essensportionen in Ungarn. Auf der Sightseeing-Tour in Nagykanizsa wurden uns bei herrlichem Wetter die schönste Barock-Kirche Westungarns, das städtische Museum, die grosse Parkanlage und ein Friedhof gezeigt, wo auch das Grab einer international sehr erfolgreichen Opernsängerin lag, auf die man in Nagykanizsa noch heute stolz ist. Nach kurzer Rast ging es an die erste Probe zusammen mit den (im Vergleich zu uns in unserem müden Zustand) energievollen Ungaren. Hungrig stürzten sich später alle auf die in einem riesigen Kessel servierte Gulaschsuppe. Während dem Abendprogramm lehrten uns die Senioren des Orchesters die Weindegustation. Dabei wurden verschiedene Sorten probiert und mit vielen Wein(volks)liedern entsprechend die Stimmung angeheizt.

Pécs - Europas Kulturhauptstadt 2010
Viele waren froh über die zweieinhalbstündige Fahrt mit dem Car nach Pécs, welche sie für ein Nickerchen nutzten. Die Schönheiten der Europäischen Kulturhauptstadt des Jahres 2010 wurden uns von einer Führerin gezeigt. Wir besuchten eine Synagoge für die jüdische Minderheit in Pécs, eine ehemalige Moschee, die heute eine katholische Kirche darstellt und christlich-römischen Grabanlagen aus dem vierten Jahrhundert, die so einzigartig sind, dass sie in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen wurden. Für jede Familie wurde eine kleine Kapelle gebaut, unter der sich die Gräber befanden. Am Mittag assen wir in einem wunderschönen ungarischen Restaurant, welches unter einer ehemals sehr berühmten Champagnerfabrik lag. Nach einer feinen Suppe wurde uns ein typisches ungarisches Hauptmenü serviert, das aus Kartoffeln und frittiertem Fleisch bestand. Den Nachmittag nutzten die einen um die empfohlene Gelateria zu testen, andere um in den zahlreichen Läden shoppen zu gehen. Auf Empfehlung Hermanns wurden auch die berühmten Kaffeehäuser mit ihren leckeren Torten besucht. Den krönenden Abschluss bildete die Besichtigung des neuen, wunderbaren Kodaly-Konzertzentrums, wo uns Manfred, unser Dolmetscher, uns die tadellose Akustik mit einem ungarischen Lied demonstrierte, die wegen dem Vermeiden von parallelen Wänden als einzigartig eingestuft wird. Einmal mehr hatten wir Glück mit dem Wetter, denn es regnete erst als wir in der riesigen Konzerthalle angelangt waren. Nach einer zweistündigen Fahrt mit abenteuerlichem Gewitter wurde es am Abend in den Gastfamilien schnell ruhig…

Zu Besuch im ungarischen Gymnsasium
Am nächsten Morgen besuchten wir das Gymnasium von Nagykanizsa, welches Schüler und Schülerinnen von 10 bis 19 Jahren besuchen. In Gruppen von 5-6 Leuten konnten wir 3 Lektionen miterleben. Dabei sahen wir unterschiedlichste Arten von Klassen und Lehrern - von respektvoll bis undiszipliniert. Das Mittagessen wurde in der Schulkantine eingenommen und der Nachmittag war frei zu gestalten. Viele gingen einkaufen oder flanierten in der Stadt, andere hatten sogar die Möglichkeit, auf dem Hof ihrer Gastfamilie reiten zu gehen. Nach einer kurzen Vorprobe hatten wir am Montagabend das erste von zwei Konzerten. Dabei durfte das il mosaico bei Finlandia auf die Unterstützung der ungarischen Streicher zählen. Zudem spielten wir 4 Stücke von Ferenc Farkas mit ihnen zusammen. Natürlich spielten wir auch noch Griegs „Peer Gynt“ und Svendsens Romanze. Kaum umgezogen, erwarteten uns schon ungarische Volksmusik und ein Fest, bei dem ein Vortänzer uns bei den schwungvollen ungarischen Tänzen anführte. Als wir eine erste Runde voller Elan getanzt hatten, konnten wir viele verschiedene ungarische Spezialitäten geniessen. Sofort nach dem Essen aber spielte wieder die ungarische Volksmusikgruppe auf und wir gaben nochmals Vollgas beim Tanzen. Verschwitzt und müde, aber sehr glücklich fielen wir ins Bett für einen kurzen letzten Schlaf in Ungarn.

Budapest - DIE Donaumetropole
An diesem Morgen mussten wir schon wieder Abschied nehmen von unserer Gastfamilie. Als ob wir nicht genug verwöhnt worden wären, überreichten sie noch Abschiedsgeschenke. Zu früher Stunde machten wir uns auf den Weg in die Hauptstadt Budapest. Eine Primarschule, in welcher der Gesang sehr gefördert wird, war unser erstes Reiseziel in dieser einzigartigen Stadt. Die Schola Cantorum Budapestiensis, die in der Schule enthalten ist, geniesst einen sehr guten Ruf und die Mitglieder singen regelmässig an Gottesdiensten, Konzerten und auch viele CDs hat der Chor schon aufgenommen. Ihr aussergewöhnliches Können bewiesen sie uns am gemeinsamen Konzert in einer heissen Turnhalle. So spielten wir nicht nur unser Programm, sondern kamen auch in den Genuss von 3 Liedern der Schüler. Alle staunten sehr über die Gesangskünste der Primarschüler. Unter dem Motto „Musik spricht die gleiche Sprache“ spielten und sangen wir zudem einen Bachchoral zusammen. Gestärkt durch belegte Brötchen bekamen wir einen ersten Eindruck von Budapest in einer Carfahrt, kommentiert von einer deutschsprechenden Ungarin. Anschliessend wurden wir 2 Stunden in schnellem Schritte durch die Stadt geführt. Dabei sahen wir viele neu-gotische Bauten, aber auch zahlreiche Erinnerungen an die Zeiten des Kommunismus'. Nach der Führung hatten wir noch Zeit, die viele nutzten um letzte Souvenirs zu kaufen oder sich im exklusiven Kaffeehaus Gerbeaud verwöhnen zu lassen. Als Abschluss unseres Aufenthaltes besuchten wir dann in der neuen, wunderbaren Bartok-Konzerthalle ein Konzert. Die Ungarische Nationalphilharmonie und deren Chor führten das eindrückliche Oratorium „Die Legende der heiligen Elisabeth“ von Franz Liszt auf. Die Ouvertüre zum Oratorium von Franz Liszt liess uns mit seiner leichten Art sofort entspannen. Allerdings mussten sich viele zusammenreissen, um nach einer kurzen Nacht und einem sehr anstrengenden Tag nicht einzuschlafen. Die insgesamt 6 Gesangssolisten erzählten die Geschichte der Elisabeth, die heimlich Nahrungsmittel an die Armen verteilte. Als ihr Gatte sie auf frischer Tat ertappen wollte, zauberte ihr Gott Rosen in den Korb. Obwohl ihre Schwiegermutter nach dem Tod ihres Sohnes Elisabeth verjagte, wurde diese später heilig gesprochen. Die Architektur der Halle und das Orchester, unterstützt durch den ungarischen Nationalchor, waren sehr eindrücklich. Nach dem Konzert „spazierten“ wir zu einem typisch ungarischen Restaurant. Dort verweilten wir zu ungarischer Volksmusik und freuten uns während dem Essen über die schönen letzten Tage. Nach dem Marsch zurück zum Car traten wir schliesslich um halb zwei in der Nacht unsere Heimfahrt an. Dabei wurde es aussergewöhnlich schnell ruhig. Um halb vier Uhr am nächsten Nachmittag stiegen wir wehmütig aber mit sehr schönen Erinnerungen in Wattwil aus.

Unvergessliche Tage, überwältigende Gastfreundschaft
Auch wir bekamen zu spüren, dass ungarisch eine sehr schwierige Sprache ist. Die meisten unter uns waren schon mit „Danke“, „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ überfordert.
Die Grosszügigkeit unserer Gastfamilien war einzigartig. Viele hatten extra für uns ihr Schlafzimmer geräumt oder ein Zimmer in einer Pension gemietet. Zuhause empfingen sie uns jeden Abend wie ihre eigenen Kinder.
In Ungarn stellt Fleisch den Hauptbestandteil des Essens dar. Kartoffeln sind alltäglich und die Portionen immer sehr gross. So mussten wir auch in unseren Gastfamilien nie zu hungern befürchten.
Alkohol ist sehr wichtig für die Ungaren. Ihr Stolz auf eigene Produkte (besonders Wein) spiegelt sich in deren Trinkverhalten wieder. Selbst Minderjährigen tischten einige Gastfamilien dann auch Hochprozentiges auf…
An den selbst gespielten und besuchten Konzerten lernten wir die ungarische Art zu klatschen kennen. Während wir Schweizer meistens im eigenen Tempo klatschen, tun die Ungaren dies immer wieder im gleichen Rhythmus.
Alles in allem war es eine wunderbare Zeit, in der wir trotz kurzer Aufenthaltsdauer einen sehr guten Einblick in die ungarische Kultur und das Land selber erhielten. Wir alle hoffen, früher oder später noch einmal nach Ungarn reisen zu können.

Salome Heim und Esther Wortmann