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Italien - Sole, Musica e Gelato

Einmal mehr zog es das „il mosaico“ in den Süden. Die diesjährige Konzertreise führte uns nach Norditalien, genauer gesagt nach Venetien. Vier Tage logierten wir im Hotel El Rustego in Rubano, von wo aus wir die vier völlig unterschiedlichen Städte Verona, Mantua, Venedig und Padua besuchten.

Verona

Nach einer langen Carreise erreichten wir am Nachmittag die Stadt von Romeo und Julia. Zusammen gingen wir ins Zentrum und bekamen dann Gelegenheit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden.
Auf dem Weg durch die sonnigen, vor allem von Vespas befahrenen Strassen kamen wir vorbei am Amphitheater, an der Piazza delle Erbe, einem aus dem Mittelalter stammenden Marktplatz, am Dom Santa Maria Matricolare oder auch an der Casa di Giulietta, am Hause der Julia, wo eine bronzene Statue der Hauptfigur von Shakespears Liebestragödie zu sehen ist. Nicht weit davon entfernt befindet sich die Piazza dei Signori, der Scaliger-Palast und ein Dante-Denkmal. Wegen der grossen Hitze flüchteten viele Orchestermitglieder unter die Bäume am Piazza Brà oder kauften sich ihr erstes italienisches Gelato.

Mantua

Der Moment, in dem wir aus dem Car die Stadt erblickten, war überwältigend. Wir fuhren über die Brücke auf die heute feste Insel zu und hatten das Gefühl, die Türme und Mauern der Stadt tauchten wie aus dem Nichts vor uns auf. Mantua ist von einem Wassergraben umgeben und liegt ausserdem an einem See. Obwohl Mantua, im Vergleich zu den andern Städten, die wir gesehen haben, klein ist, gibt es viel zu sehen. Besonders berühmt ist der Palazzo Ducale, einer der prächtigsten mittelalterlichen Paläste Europas. Der Künstler und Architekt Giulio Romano ist sehr wichtig für Mantua. Er hat nicht nur den Dom im Stil der Renaissance umgebaut, sondern auch den Herzogenpalast Palazzo Tè erbaut und gab der Stadt mit seinen Werken ein völlig neues Aussehen. Noch heute kann sein Grab in Mantua besucht werden.
Da wir am Donnerstag in Mantua waren, hatten wir sogar ein wenig Gelegenheit, das Markttreiben zu erleben.

Venedig

Am Freitagmorgen brachte uns ein Zug von Padua nach Venedig, der ehemals wichtigsten Handelsstadt an der Adria. In kleinen Gruppen begaben wir uns in das Labyrinth der vielen Gässchen und Kanälen, wobei die Gruppenführer uns auf die Besonderheiten der Stadt aufmerksam machten. So spazierten wir auf der Rialto-Brücke über den Canal Grande, beobachteten die Tauben auf der Piazza San Marco, bestaunten den berühmten Uhrturm und den Markuslöwen und liessen uns von der Pracht des Markusdoms begeistern. Die friedlichen Gondeln, in denen Touristen durch das Kanalnetz gefahren werden, erzeugen eine verträumte, romantische Atmosphäre. Allerdings ist der Tourismus eine grosse Belastung für die Stadt. Der Andrang von Urlaubern ist enorm. Dies hat auch Auswirkungen auf das Ambiente: Die Strassen sind oftmals von Reisenden überfüllt und die vielen Souvenirläden und riesigen Werbeplakate, die beispielsweise das Bild der Seufzerbrücke völlig zerstören, zeigen, dass der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle Venedigs ist.
Ein weiterer Teil unseres Venedigbesuchs war die Führung durch das Teatro La Fenice, das zu den bekanntesten Opernhäusern der Welt gehört. Viele Künstler, darunter Giuseppe Verdi, wählten diese Bühne für die Weltpremieren ihrer Werke. Den Namen verdankt das Theater einem Brand, dem 1773 das damals wichtigste Opernhaus zum Opfer fiel. Man beschloss, ein neues Haus zu errichten und gab ihm den Namen La Fenice, was übersetzt Phönix heisst. Der Innenraum der Oper ist faszinierend. Verspielte Puten und goldene Muster zieren den Raum. Das Blau der Decke soll dem Besucher das Gefühl geben, unter freiem Himmel zu sitzen. Besonders interessant für uns Orchestermitglieder, war es natürlich, einen Blick in den Orchestergraben zu werfen.
Als Abschluss unseres Ausfluges fuhren wir mit dem Schiff vom Markusplatz zurück zum Bahnhof und genossen zum letzen Mal die Sicht auf die Türme und Kirchen der Stadt.

Padua

Am Samstag stand der Besuch von Padua auf dem Programm. Speziell an dieser Stadt ist, dass sie sowohl Gebäude aus dem Mittelalter, aus der Renaissance, wie auch aus der Moderne besitzt. Der Treffpunkt der Stadt ist das Café Pedrocchi, auch „Café ohne Türen“ genannt. Bis zum ersten Weltkrieg hatte es nämlich wirklich keine Türen, sondern war, wie es der Cafetier Antonio Pedrocchi beabsichtigt hatte, Tag und Nacht für jedermann offen. Heute stehen zwischen den Säulen an den Eingängen leider Glastüren. Eindrücklich ist der Palazzo della Ragione, der Sitz der städtischen Gerichte und Handelsgeschäfte. Er wird von der Piazza delle Erbe, Piazza dei Frutti und der Piazza dei Signori umgeben, wo seit achthundert Jahren Gemüse-, Obst- und Kleidermärkte abgehalten werden. Padua wird manchmal auch „Antoniusstadt“ genannt. Nach dem Tode des Heiligen wurde ihm zu Ehren die Basilika des Heiligen Antonius errichtet. Die romantisch-gotische Kirche beeindruckt mit ihren acht Kuppeln und den orientalisch beeinflussten Glockentürmen. Die Wissenschaft hat eine grosse Bedeutung für Padua. Die Stadt besitzt nicht nur die zweitälteste Universität Italiens, sondern auch einen Botanischen Garten, der 1545 zum Studium von Heilpflanzen gegründet wurde. Nebst heilenden sind dort jedoch auch giftige, fleischfressende und exotische Pflanzen zu entdecken. Ausserdem steht in diesem Garten die berühmte „Goethepalme“, deren Brutblatt der Dichter für seine Evolutionstheorien studiert hatte.
Padua ist die Stadt der Fresken. Nicht nur die Basilika des Heiligen Antonius oder der Palazzo della Ragione sind mit Fresken geschmückt, sondern zahlreiche weitere Gebäude wurden mit Wandmalereien dekoriert. Die wohl beeindruckendste Freskenkunst ist in der Scrovegni-Kapelle zu sehen und stammt von Giotto di Bondone. Ohne Erklärungen hätten wir beim Verlassen der Kapelle wahrscheinlich gedacht: „Schöne Bilder, interessante Kirche.“ Dann wären wir zur nächsten Sehenswürdigkeit weitergegangen. Da uns Herr Josef Zürcher aber schon im März im Musiklager und später auf der Reise und in der Kirche genau über Freskenmalerei, den Aufbau und die Struktur der Kappelle informiert hatte, wussten wir, worauf wir achten mussten. Die Wände erzählen die Geschichte von Joachim und Anna, von Maria und von Christus, zeigen die sieben Laster und die sieben Tugenden. Über dem Eingang ist das Jüngste Gericht dargestellt, wobei dem Betrachter klar wird, dass die Tugenden in den Himmel, die Laster in die Hölle führen. Die Malereien dienen also nicht nur der Verschönerung des Raumes, sondern enthalten auch wichtige Botschaften. Die Viertelstunde war zu kurz für genaue Betrachtungen und doch hatten wir einen Eindruck gewonnen und die aufwändigen und detailgetreuen Fresken bewundern können.

Konzerte

Natürlich widmeten wir uns nicht nur der bildenden Kunst, sondern auch der Musik. In Italien gaben wir zwei Konzerte, in denen wir Georges Bizets Arlésienne Suites, Claude Debussys Danses sacrée et profane, Edouard Lalos Symphonie Espagnole und Pablo de Sarasates Zigeunerweisen zum Besten gaben. Selbstverständlich fehlten auch die beiden Solistinnen nicht: die Violinistin Chouchane Siranossian und Corinne Kappeler an der Harfe.
Das erste Konzert fand in einer Turnhalle in Arre statt, das zweite in der Kirche von Cadoneghe, beide anlässlich des neunzehnten International Music Meetings Padua. Trotz der grossen Hitze liefen beide Konzerte gut und die Zuhörer liessen sich von unserer Begeisterung für die Stücke mitreissen.

Heimreise

Nach dem zweiten Konzert am Samstagabend gönnten wir uns noch eine Stärkung in einer Pizzeria, bevor wir wieder in den Car stiegen, der uns in die Schweiz zurückbrachte. In vier Tagen, übrigens bei schönstem Sommerwetter, hatten wir vier Städte besucht. Welche Stadt die schönste war, darüber sind wir Orchestermitglieder uns nicht einig. Für jeden von uns hatte es etwas dabei. Natürlich konnten wir in dieser kurzen Zeit nicht jede Stadt bis in den kleinsten Winkel erforschen, denn in allen vier Städten gibt es so viel zu sehen und zu entdecken, aber wir haben sehr viele neue Eindrücke gewonnen und kamen mit wunderschönen Erinnerungen zurück. Ich bin sicher, den einen oder anderen des Orchesters wird es wieder einmal in den Süden ziehen, in das Land der Sonne, der Pizzas und der Künste.

Lydia Grüninger