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Konzertreise nach Polen - ein Erlebnisbericht

Das Orchester der Kantonsschule Wattwil und der Musikschule Toggenburg war zu Gast bei der Camerata Scholarum, dem Jugendorchester der Musikschule Kielce, Polen.

"il mosaico" und Camerata Scholarum verbindet seit den ersten Kontakten im Jahr 1994 eine feste Partnerschaft, wobei verschiedene gemeinsame Konzertprojekte, Solisten- und Dirigentenaustausche von den beiden Orchesterleitern Hermann Ostendarp und Woitek Zdyb initiiert wurden.
   Nach 18 anstrengenden aber sicheren Stunden Busfahrt wurden wir in Kielce/Polen von unseren Gastfamilien willkommen geheissen. Dieser Empfang sollte der Anfang einer erlebnisreichen und eindrücklichen Woche voller Gastfreundschaft und Kulturaustausch sein.
   Die herzliche Art, mit der wir begrüsst wurden und die uns die ganze Woche über begleitet hat, sorgte für eine familiäre Atmosphäre. Einen grossen Teil dazu beigetragen haben sicherlich unsere polnischen Gastfamilien, die uns herzlich aufgenommen und sich liebevoll um uns gekümmert haben.

Kleinstädtischer Charme
Kielce hat ungefähr 200'000 Einwohner und liegt zwischen Warschau und Krakau. Die Stadt behält aber trotz ihrer für uns eher grossen Einwohnerzahl einen kleinstädtischen Charakter. Das Kennenlernen dieser Stadt und ihrer Bewohner war oft amüsant, da wir uns selten in der selben Sprache unterhalten konnten, was meisten auf eine gestenreiche Konversation herauslief.

Besuch in Auschwitz
Bei den intensiven Proben mit der Camerata Scholarum, dem Jugendorchester von Kielce, knüpften wir Kontakte mit den jungen Polen, die uns ihre Stadt zeigten, mit uns Ausflüge machten und uns auch ins Kielcener Stadtleben einführten. Neben den Proben hatten wir Zeit, um die nähere und fernere Umgebung von Kielce zu erkunden: so besuchten wir u.a. den Wallfahrtsort Tschenstochau, die alte Königsburg von Checiny, zwei verschiedene Gymnasien, eines davon mit dem speziellen Schwerpunkt im künstlerischen Gestalten, das mittelalterliche Städtchen Szydlow und Krakau. Ein besonderer Tagesausflug war der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers in Auschwitz. Man wird dort unweigerlich mit einem grausamen Stück Vergangenheit konfrontiert. Dieses aufwühlende Erlebnis war nicht einfach zu verarbeiten, doch merkten wir, wie wichtig es ist, diese Eindrücke nie mehr zu vergessen.

Vier Konzerte
Auch unsere Konzerte führten uns in Orte ausserhalb von Kielce. So spielten wir im bekannten Kurort Busko, im mittelalterlichen Städtchen Szydlow, in Kielce selber und im wunderschönen Krakau. Jedes Konzert hielt seine eingenen Überraschungen für uns bereit...
   Das Spannende war, auf jede Situation kurzfristig einzugehen und aus ihr, für das Publikum und das Orchester, ein schönes Konzert werden zu lassen. In Busko und Krakau spielten wir alleine mit "il mosaico" Werke von Mozart, Copland, Mendelssohn (Solistin Miamiao Li, Klavier) und Brahms. Die gemeinsamen Konzerte mit der Camerata standen unter dem Titel "Musica per due Solisti", wobei beide Orchester abwechselnd die Solisten stellten, mit den Werken von Vivaldi (Konzert für zwei Celli), Glass, Telemann (Konzert für Blockflöte und Fagott), Ives und Bach (Konzert für zwei KIaviere). Die Reaktionen des Publikums waren stets begeistert.

Freundschaften entstanden
Während dieser Woche sind viele Freundschaften entstanden. Wir freuen uns schon auf den Gegenbesuch der Camerata Scholarum im Herbst, wo wir wieder gemeinsam ein Konzertprogramm erarbeiten werden. Auch wir möchten ein Stück unserer Kultur an sie weitergeben.
   Für die meisten von uns war es die erste Reise nach Osteuropa. Polen und seine Einwohner haben uns aufgenommen, fasziniert und gezeigt, dass der bei uns noch weitaus unbekannte Teil Europas, der Osten, es verdient, entdeckt zu werden.
   Danke allen Beteiligten für ihren Beitrag an diese unvergessliche Reise. Danke für die Eindrücke, die Freundschaften, das Erlebnis.

Cécile Simoness